Angela ante portas

Angela Buhl hat ihr Ziel inzwischen regelrecht vor den Augen: „Rio de Janeiro“ steht bereits auf den Straßenschildern angeschrieben. Die 34jährige Allgäuerin ist – wie von web&sail berichtet – mit dem Rad auf dem Weg nach Rio, um dort ihren Bruder Philipp zu treffen und zu unterstützen.
„Zum allerersten Mal steht heute „Rio de Janeiro“ angeschrieben!“, postete die Weltumradlerin diese Woche auf ihrem Blog www.holario.de. „Nach vierundzwanzigtausendsiebenhundertfünfundachtzig Kilometern, eintausendsechshundertsechsundachtzig Fahrstunden und zweihundertdreizehntausend…einer Menge Höhenmetern. Und einem Meer an Erinnerungen und Erlebnissen. Es mag vielleicht kitschig klingen, aber es ist wirklich ein bewegender Moment, dort unter dieser Tafel zu stehen! Denn sie sagt mir: Bald hast du´s geschafft!“
Angela Buhl hatte sich im Dezember 2014 auf den Weg gemacht, um mit dem Fahrrad nach Rio zu fahren. In den vergangenen Wochen radelte sie auf der Südamerika-Etappe von Lima über die peruanischen Anden (überquerte dabei mehrere Pässe mit über 4000 Metern Höhe !!), durch den bolivianischen Altiplano (eine schier endlose Hochebene), über den größten Salzsee der Erde (den Salar de Uyuni) und stellte neue Streckenrekorde auf, als es in Gewaltetappen durch den argentinischen Chaco gen Osten ging.
Dabei nutzte sie nicht nur den Seitenstreifen von Fernstraßen und ruppige Asphaltpisten, sondern war auch tagelang unmittelbar neben und sogar auf Bahngleisen unterwegs. Die Straßen in Südamerika sind halt nicht immer so komfortabel wie die Schlaglochpisten in Bayern. Doch das Radeln am Bahngleis hat’s in sich. Denn an Brücken oder Tunnels fehlt plötzlich der Weg nebendran. Schieben über unregelmäßige und morsche Schwellen wird zum wahren Thriller, wenn böiger Seitenwind hoch über einer Schlucht an dem insgesamt gut 80 Kilo schweren Radl zerren. Oder würdet ihr ein schweres Trekkingrad im Bahngleis durch einen stockfinsteren Tunnel schieben? Für ein James-Bond-Drehbuch fehlt nur der Feind ... und den hat Angela glücklicherweise nicht, eher Heerscharen von Schutzengeln. Ihren einzigen Feind, den Schweinehund, hat sie gut im Griff. „Sportsköter“ nennt sie ihn liebevoll – und der treibt sie auch auf den letzten Kilometern an, um nicht nur Rio überhaupt, sondern ein neues Ziel rechtzeitig zu erreichen: Philipp Buhl hat für Angela und seine zweite Schwester (die auf dem bequemeren Luftweg anreisen wird) Tickets für die Eröffnungsfeier!
Etwa 800 Kilometer sind es noch bis Rio, rund zehn Tagesetappen. Wer Angelas täglichen Blog live mitlesen möchte, muss sich also sputen. In ihre bildhafte Beschreibung von Land und Leuten (einschließlich aufschlussreicher Studien des Verhaltens der jeweiligen Bevölkerung vor Geldautomaten) oder Stimmung schleicht sich inzwischen ein bisschen Melancholie: Was kommt danach? Nach über 25.000 abenteuerlichen oder zuweilen auch öden Tret-Kilometern, nach eineinhalb Jahren Extra-Urlaub in der Dimension Selbsterfahrung? Nur das Oktoberfest?
Wie hieß es vor Jahrzehnten in der täglichen Radiosendung um viertel nach zehn: „Was bisher geschah ...“, und das lesen Sie unter www.holario.de
vg

Hier ist schon das Schild von Rio © privat

Abralayara © privat

25.07.2016 09:43 Alter: 8 yrs