SSL-Finale auf den Bahamas: Führungswechsel am 3. Tag

Beim Finale der Star Sailors League vor Nassau konnten die Segler am dritten Tag die klassischen Bahamas-Bedingungen genießen. In Winden von zwölf bis 18 Knoten aus der vorherrschenden Richtung Nordost-Ost hatte die Wettfahrtleitung den Kurs aus der Montagu Bucht hinaus etwas weiter ins offene Revier mit höheren Wellen und weniger Schutz vor der vollen Kraft des Atlantiks verlegt.Während die Wettfahrten von olympischen Finn-Seglern dominiert wurden, ging der Segeltag mit neuen Spitzenreitern zu Ende: Die Amerikaner Mark Mendelblatt und sein Vorschoter Brian Fatih lösten die noch am Morgen führenden Robert Scheidt und Henry Boening einen Tag vor Beginn der Viertelfinalrunde mit gerade einmal einen Punkt Vorsprung ab.Fatih, der mit seinem Steuermann Mendelblatt schon seit der gemeinsamen Olympia-Kampagne für London 2012 in einem Boot sitzt, stellte fest: “Wir haben Glück, dass wir in dieser Position sind: Robert ist ein unglaublicher Segler. Er ist die Messlatte. Wenn Du also mit ihm mithalten kannst, dann bist du glücklich.” Dabei war die Übernahme der Top-Position durch die Amerikaner mit Blick auf die Ergebnisse (15, 4, 4) durchaus eine Überraschung. “Es war ein Kampf, der sich im Boot nicht so großartig angefühlt hat. Wir waren gar nicht so furchtbar schlecht, aber es lief nicht so rund wie sonst.” Weil das erste Rennen am Donnerstag mit Rang 15 für Mendelblatt/Fatih zum Streichergebnis wurde, mussten sie ihren zwölften Rang aus dem zweiten Rennen vom Vortag mit in die Wertung nehmen. Auch die ruppigen Wellen mögen eine Rolle für ihre Ergebnisse gespielt haben. “Es war ein Akt, vor dem Wind den Groove beizubehalten. Normalerweise ist die linke Seite auf dem Kurs eine solide Sache, doch heute ging es hin und her. Und dazwischen gab es noch ein paar ganz leichtwindige Löcher.”Erfolgreichster Steuermann war am Donnerstag Finn-Segler Jorge Zarif, Gold-Cup-Gewinner 2013 und amtierender Starboot-Weltmeister, mit seinem Vorschoter Pedro Touche. Mit den Rängen 4, 2 und 1 rückten die beiden Brasilianer im Zwischenklassement auf Platz drei vor. “Heute war freies Pumpen angesagt. Ich komme aus der Finn-Klasse und das gehört zu den wichtigsten Dingen, die wir tun”, erklärte Zarif, “wir haben versucht, so stark zu pumpen und zu rocken, wie wir nur konnten. Obwohl man natürlich auch die Wellen und die Dreher gut spielen muss.”Der Rennsieg von Zarif/Trouche folgte ihrem Sprung an die Spitze der Flotte zur Halbzeit der sechsten Wettfahrt, als sie von einem Winddreher auf der linken Seite des Kurses profitierten. “Das war ein extremer Dreher, der mit der Geografie zu tun hatte”, erklärte Zarif, “aber im dritten Rennen des Tages gab es einen großen Rechtsdreher. Und keine Wolken, die das irgendwie verraten haben. Manchmal must Du einfach Deinem Gefühl folgen.”Dabei hatten es der Neuseeländer Hamish Pepper und sein Vorschoter Steve Mitchell in der Hand, dieses Rennen zu gewinnen. Sie hatten sich offenbar glänzend von ihrem Mastbruch am stürmischen Vortag erholt. “Es hat schon einige Anstrengung gekostet, das Boot wieder klar zu bekommen, die kaputten Teile loszuwerden und ein passendes Ersatz-Rigg zu finden”, räumte Pepper ein, “wir waren damit am Morgen fertig. Unser Timing war also ziemlich gut.”Mit der Tagesleistung seines Teams war der Starboot-Weltmeister von 2006 zufrieden. Pepper sagte: “Wir hatten zwei gute Rennen, einen achten und einen zweiten Rang.” Zum zweiten Rennen des Tages sagte der Kiwi: “Auf der zweiten Kreuz haben wir auf die Mitte gesetzt, weil der Wind ziemlich stark gedreht hat. Da gab es viele Gewinne und Verluste. Du konntest nicht beide Seiten verteidigen. Am Ende waren dann die Jungs auf der linken Seite bevorteilt.”Zsombor Berecz, Gold-Cup-Gewinner im Finn in diesem Jahr, ersegelte am Donnerstag mit den Rängen 3, 6 und 9 das zweitbeste Ergebnis des Tages. Mit dem tschechischen Finn-Masters-Weltmeister Michael Maier als Vorschoter im Boot, rückte Berecz in der Gesamtwertung auf Platz zehn vor. Und das, obwohl er am Vortag das vierte Rennen mit gebrochener Saling nicht beenden konnte, die seinen Mast in Spaghetti verwandelt hatte, so dass er über Nacht ersetzt werden musste. “Wir hatten auf dem Wasser manchmal eine sehr gute Geschwindigkeit, aber nicht immer. Wir haben uns nur fünf Tage mit dem Boot vorbereiten können. Vor dem Wind haben wir eher auf Sicherheit gesetzt. Wir haben den Mast nicht genügend nach vorne gebracht, weil wir ihn nicht brechen wollten.”Sieger der ersten Wettfahrt des Tages waren die Star-Veteranen Xavier Rohart und Pierre-Alexis Ponsot, die ebenfalls auf der ersten Kreuz auf der linken Seite profitierten. Sie führten bereits an der Top-Marke und brachten diesen Sieg ungefährdet ins Ziel. “Es ist gut, einen Plan zu haben und diesem auch bis zum Ende true zu bleiben, dabei die Dreher richtig zu erwischen und etwas vor dem Feld zu liegen. Das war ein Rennen wie aus dem Lehrbuch”, freute sich Rohart.Während viele Crews an diesem Tag ihr Glück weit draußen auf der linken Seite des Kurses fanden, wiederholten die brasilianischen Top-Segler Lars Grael und Samuel Gonçalves ihre Taktik vom Vortag, segelten wieder extrem weit auf die rechte Seite hinaus und wurden dafür mit dem gleichen guten Ergebnis belohnt: Sie gewannen das Rennen und rückten im Zwischenklassement auf Platz sieben vor.Freitag steht beim Finale der Star Sailors League der letzte Tag der Qualifikationsrunde an, an dessen Ende 15 Teams ausscheiden werden. Ziel der Segler ist das Erreichen der Top Ten um sich für das Viertel-, Halb- oder – als Vorrunden-Sieger – sogar schon direkt für das Finale zu qualifizieren. Jorge Zarif sah es am Donnerstagabend so: “Vo runs liegen noch vier Rennen. Das ist ein weiter Weg. Lasst uns sehen, was morgen geschieht.” Rechnerisch konnten vor diesem letzten Rennen am Freitag noch 22 Teams die Zwischenrunde erreichen. Darunter mit den besten Chancen Diego Negri und sein Berliner Vorschoter und Titelverteidiger Frithjof Kleen, die nach sieben Rennen auf dem aussichtsreichen vierten Platz lagen. Aber auch Pavlos Kontides/Markus Koy (Zypern/Hamburg) hatten als 17. noch Aussichten auf den Viertelfinal-Einzug. Schwer wird es trotz starker Vorstellung für die jüngste und leichteste Mannschaft in der Flotte der Segelstars und Legenden: Guido Gallinaro (17) und Kilian Weise (24) vom Ammersee hatten als Gesamt-Neunzehnte vor dem Vorrunden-Endspurt 26 Zähler Rückstand auf den begehrten zehnten Platz. Sie wollen trotzdem am Freitag um jeden Platz kämpfen. 

1    Mark Mendelblatt (USA    Brian Fatih (USA)    22

2    Robert Scheidt (BRA)    Henry Boening (BRA)    23

3    Jorge Zarif (BRA)    Pedro Trouche (BRA)    31

4    Diego Negri (ITA)    Diego Negri (ITA)    32

5    Eivind Melleby (NOR)    Joshua Revkin (USA)    39

6    Mateusz Kusznierewicz (POL)    Dominik Zycki (POL)    48

7    Lars Grael (BRA)    Samuel Gonçalves (BRA)    51

8    Xavier Rohart (FRA)    Pierre-Alexis Ponsot (FRA)    54

9    Augie Diaz (USA)    Bruno Prada (BRA)    54

10    Zsombor Berecz (HUN)    Michael Meier (CZE)    56

 

 

Highlights von diesem Tag sind hier

 

Die vollständige Ergebnisliste (nach unten scrollen) ist hier

 

Die Event-Website mit den Liveübertraungen (heute ab 16:45 Uhr) ist hier

© Finals of the SSL-Gilles Morelle-facebook

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07.12.2018 11:25 Alter: 8 days