SSL-Finale auf den Bahamas: Erneuter Führungswechsel am 4. Tag

Mit 3 Tagessiegen dominieren Scheidt/Boening (BRA) und kommen dadurch direkt in das Finale. Kleen (GER) 3. ...

 Die Star-Crews des Tages waren ohne Zweifel Robert Scheidt und Henry Boening aus Brasilien und Paul Cayard (USA) mit seinem Vorschoter Arthur Lopes (Brasilien). Doch von größerer Bedeutung war an diesem Tag das Geschehen im Mittelfeld, den am Freitag wurden vor Nassau die letzten Rennen der Qualifikationsrunde beim Finale der Star Sailors League ausgetragen und es stand viel auf dem Spiel.

Nur die Crews, die sich in der Endabrechnung der elf Vorrunden-Rennen auf den Plätzen drei bis zehn platzieren konnten, wurden dafür mit einem Viertelfinal-Ticket belohnt. Die besten fünf der acht Viertelfinalisten werden nach dem Auftakt am “Super-Samstag” ins Halbfinale einziehen und treffen dort auf die amerikanischen Vorrunden-Zweiten Mark Mendelblatt und Brian Fatih. Die besten drei Halbfinalisten bekommen es danach im Finale mit den dort gesetzten Vorrunden-Siegern Robert Scheidt und Henry Boening zu tun.

Die 15 Mannschaften, die es bis zum Ende der Qualifikationsrunde nicht unter die Top Ten geschafft haben, sind leider ausgeschieden.

Die vier letzten Qualifikationswettfahrten am Freitag wurden im azurblauen Revier der Bahamas in der Montagu Bucht ausgetragen. Zunächst in zehn bis zwölf, später in 15 bis 18 Knoten östlichen Winden, die zur letzten Wettfahrt nach rechts drehten, ging es für viele Teams um alles oder nichts.

Die herausragenden Akteure des Tages waren Olympia-Legende Robert Scheidt und Henry Boening. Das brasilianische Duo gewann drei der vier Rennen. Damit haben Scheidt/Boening in acht der insgesamt elf Qualifikationsrennen einen Podiumsplatz ersegelt. Diese Konstanz sorgte dafür, dass die Top-Favoriten vor Nassau die Qualifikation mit 22 Punkten Vorsprung vor Mark Mendelblatt und Brian Fatih abgeschlossen haben. Platz drei in der Vorrunde erkämpfte die italienisch-deutsche Crew mit Steuermann Diego Negri und dem Berliner Frithjof Kleen, der damit nach seinem Sieg im vergangenen Jahr an der Seite von Laser-Olympiasieger Paul Goodison als Titelverteidiger schon jetzt erneut bester deutscher Teilnehmer dieser Starparade vor Nassau ist.

Warum die Tagessieger am Freitag noch schneller als sonst unterwegs schienen? “Wir haben gestern einen Rigg-Check durchgeführt und ein paar Änderungen vorgenommen”, berichtete Robert Scheidt, “das Boot hat sich heute besser angefühlt. Mit unserer Bootsgeschwindigkeit ist auch unser Selbstvertrauen gewachsen. Dazu hatten wir gute Starts und haben die richtigen Startpositionen gewählt, so dass wir immer schnell in Führung gehen konnten. Danach hatten wir beständig guten Speed. Alle diese Komponenten zusammen haben den großen Unterschied ausgemacht. Henry hat in den Manövern super gearbeitet und den Wind angesagt. Nachdem wir zwei gute Rennen hatten, hatten wir großes Selbstvertrauen. Dann ging es auch für den Rest des Tages wirklich gut.”

Auch Paul Cayard und sein brasilianischer Vorschoter Arthur Lopes haben im Endspurt einen Turbo-Gang zugelegt und sich am Freitag mit ihrer Serie 2, 1, 3 und 14 sicher für das Viertelfinale qualifizieren können. “Wir haben in der vergangenen Nacht einige Änderungen am Mast vorgenommen”, erklärte der Whitbread-Round-the-World-Sieger und Louis-Vuitton-Cup-Gewinner Cayard das positive veränderte Bild seiner Crew, “wir waren an der Kreuz schnell. Vielleicht aufgrund der Gewissheit, dass wir auch vor dem Wind sehr schnell waren.”

Sowohl Cayard/Lopes als auch Scheidt/Boening haben am Freitag erfolgreich auf die linke Seite gesetzt. “In der nordöstlichen Brise macht sich das fast immer bezahlt und du hast den Strom noch mit dir”, erklärte Cayard, der schon seit 40 Jahren im Revier der Bahamas segelt. “Außerdem rechnest du morgens immer mit einem geografischen Winddreher rund um Rose Island, wenn der Strom noch stärker ist”, fügte der Amerikaner hinzu. Wenn der Strom sich später am Tag umkehrt und der Wind nach rechts dreht, kann sich die Wahl der gegenüberliegenden Seite auszahlen.

Ihre fulminante Aufholjagd hat Cayard und Lopes am Freitag von Platz 14 bis auf Platz sieben vorrücken lassen und ins Viertelfinale geführt. “Ich bin begeistert”, sagte Cayard, “es war schon sehr frustrierend, wie sehr wir an den ersten paar Tagen zu kämpfen hatten. Dass wir heute in allen vier Rennen schnell waren, dass hat uns viel Selbstbewusstsein und die Erkenntnis beschert, dass wir das Problem gelöst haben.”

Der Kampf um den “überlebenswichtigen” zehnten Platz verlief kriminal spannend und mit Aufs und Abs für die beteiligten Crews. So wie für den schwedischen Olympiasieger von 2012, Freddy Lööf, und seinen italienischen Vorschoter Edoardo Natucci. Sie waren als Elfte in den letzten Tag der Qualifikation eingestiegen, konnten aber ihren Platz in den Top Ten und damit auch im Viertelfinale mit drei Ergebnissen unter den besten zehn Teams erkämpfen.

Ein Frühstart im ersten Rennen am Freitag sorgte dafür, dass der zweimalige olympische Medaillengewinner Lars Grael und seinen Vorschoter Samuel Gonçalves heftig um den Viertelfinal-Einzug kämpfen mussten. In der Endabrechnung konnten sie sich schließlich punktgleich gegen den unglücklich ausgeschiedenen ungarischen Finn-Weltmeister Zsombor Berecz und seinen tschechischen Vorschoter Michael Maier durchsetzen, ihnen das letzte Viertelfinal-Ticket wegschnappen.

Zu jenen, die am Freitagabend ihre Taschen packen mussten, zählte auch der britische Doppel-Olympiasieger Iain Percy, der mit dem Schweden Anders Ekström am Finale der Star Sailors League teilgenommen hat. “Es war sehr anstregend, hat aber viel Spaß gemacht”, sagte Percy. Eine geschäftliche Last-Minute-Verpflichtung war der Grund dafür, dass Percy an den ersten Regattatagen hatte passen müssen. Am Freitag konnte das britisch-schwedische Duo mit den Rängen 9, 6, 6 und 6 aber sein Können zeigen. “Ich habe das wirklich genossen, aber wir sind hier ohne Training einfach nur aufgekreuzt und waren aus der Übung. Das hat uns aber nicht frustriert, was ein gutes Gefühl ist. Wir waren die Jäger und konnten aufholen, wenn wir mal hinten lagen. Es ist großartig zurück im Starboot zu sein. Das ist etwas Echtes und verlangt sauberes Segeln. Ich würde sehr gerne nächstes Jahr wiederkommen.”

Auch Frankreichs 470er-Weltmeister Kevin Peponnet, der in dieser Woche mit dem Amerikaner Mark Strube im Einsatz war, muss die Heimreise antreten. Seine Bilanz: “Es ist unglaublich gegen diese Legenden zu segeln. Sie haben vieles mit uns geteilt. Ich bin so glücklich hier zu sein und auch darüber, dass ich etwas mehr Kenntnisse über dieses Boot sammeln konnte.” Die Vorstellung des Franzosen war am letzten Tag nicht ideal: “Wir haben den Baumniederholer und den Großschotblock gebrochen.”

Für positives Aufsehen haben beim Finale der Star Sailors League der erst 17 Jahre alte italienische Laser-Radial-Jugendweltmeister Guido Gallinaro und sein 24-jähriger Vorschoter Kilian Weise vom Ammersee gesorgt. Die jüngste und leichteste Crew im prominent besetzten Feld verabschiedete sich mit Platz 19 aus Nassau. Ihr bestes Ergebnis war sogar ein achter Rang – eine starke Leistung für einen Teenager. “Für mich war es eine großartige Erfahrung”, sagte Gallinaro, “wir hatten heute ziemlich gute Rennen. In einem waren wir an der Top-Marke sogar Vierte. Es war einfach eine super Woche für uns!”

Robert Scheidts Vorschau auf den Finaltag, den mit Spannung erwarteten “Super-Samstag”, an dem der Wettkampf von vorne beginnt, weil aus der Vorrunde keine Punkte mitgenommen werden: “Der Vorrundensieg hat keine große Bedeutung mehr. Wir sind glücklich, dass wir schon für das Finale gesetzt sind, werden dort aber auf die besten Jungs treffen und müssen das Rennen erst einmal gewinnen. Es wird hart.”

 

1. Robert Scheidt/Henry Boening (BRA), 33

2. Mark Mendelblatt/Brian Fatih (USA), 55

3. Diego Negri (ITA)/Frithjof Kleen (GER), 65

4. Jorge Zarif/Pedro Trouche (BRA), 68

5. Mateusz Kusznierewicz/Dominik Zycki (POL), 75

6. Eivind Melleby (NOR)/Joshua Revkin (USA), 81

7. Paul Cayard (USA)/Arthur Lopes (BRA), 94

8. Fredrik Loof (SWE)/Edoardo Natucci (ITA), 97

9.  Xavier Rohart/Pierre-Alexis Ponsot (FRA), 98

10. Lars Grael/Samuel Gonçalves (BRA), 99


 

 

Highlights von diesem Tag sind hier

 

Die vollständige Ergebnisliste (nach unten scrollen) ist hier

 

Die Event-Website mit den Liveübertraungen (heute ab 16:45 Uhr) ist hier

Scheidt/Boening © Finals of the SSL-Marc Rouiller

© Finals of the SSL-Gilles Morelle-facebook

© Finals of the SSL-Gilles Morelle-facebook

© Finals of the SSL-Gilles Morelle-facebook

© Finals of the SSL-Gilles Morelle-facebook

08.12.2018 11:25 Alter: 7 days