YES: Nach 540 Tagen Pause zurück auf der Regattabahn

Sie hat die Tage gezählt. Genau 540 Tage liegt die letzte Regattawettfahrt zurück. Jetzt tritt Hannah Anderssohn (Jugend-Weltmeisterin 2017) bei den Young Europeans Sailing (8. bis 10. Juni) wieder an. „Es ist ein krasses Gefühl, wieder an den Start zu gehen“, stellt sie fest. Die Prognosen, dass sie es wieder schaffen würde zu regattieren, waren eher schlecht. Doch die 19-Jährige hat sich durchgebissen.

 „Bei einigen Bewegungen bin ich nicht 100prozentig schmerzfrei. Vor allem bei wenig Wind läuft nicht alles rund. Aber ich bin am Start und blicke jetzt von Wettfahrt zu Wettfahrt“, so die Warnemünderin. Weit voraus könne sie nicht planen. „Ich muss sehen, was die Zeit bringt, und freue mich über jede Wettfahrt“, erklärt Anderssohn vor ihrem ersten Start in Kiel. Der Start am Samstag steht fest, ob Sonntag und Montag folgen, werde sich zeigen.

Erst Mitte März diesen Jahres war es nach fast 14 Monaten endlich soweit: Anderssohn brachte ihren Laser wieder zu Wasser und segelte erstmals nach über einem Jahr Verletzungspause vor Warnemünde. „Es lief besser als gedacht“, berichtete die 19-Jährige.

Der Körper hatte der Jugend-Weltmeisterin von 2017 in den letzten Jahren immer wieder einen Strich durch die Karriere gemacht. Zuletzt war es eine Meniskusverletzung mit anschließender Operation und langer Reha. Die vergangenen Monate ließ sich die Warnemünderin, die als eines der größten deutschen Segeltalente im Einhandbereich gilt, im Olympiastützpunkt Rostock wieder aufpeppeln. Und rechtzeitig vor dem Saisonstart in Europa konnte sie wieder auf das Wasser: „Ich konnte schmerzfrei segeln, auch wenn sich die Bewegungen für das Knie noch etwas ungewohnt anfühlten.“

Die ersten internationalen Saisonhöhepunkte in diesem Jahr fanden noch ohne Hannah Anderssohn statt. Nach ersten Belastungstests geht es nun zur YES wieder auf die Regattabahn. Die Kieler-Woche-Teilnahme ist geplant – auf dem Revier, das sie seit ihrer Zeit im Kieler Segelinternat bestens kennt. Doch festlegen kann sich Anderssohn noch nicht.

Auch wenn die Mediziner Hannah Anderssohn nach der Meniskusverletzung das Ende ihrer Leistungssportkarriere prophezeiten, hat die 19-Jährige auch ihre ganz hohen Ziele nicht aus den Augen verloren. „Olympia ist immer noch mein Traum. Und ich möchte auch die Kampagne für Tokio 2020 gern mitfahren, aber nicht auf Teufel komm heraus“, sagt Hannah Anderssohn und sieht in der Tokio-Kampagne unabhängig vom Erfolg eine gute Erfahrung für die Zukunft. Denn mit ihren jungen Jahren sind weitere Olympia-Kampagnen eine Option. Dabei setzt sie bei aller körperlicher Belastung weiter auf die Einhand-Klasse: „Das ist schon das Richtige für mich!“

Selbst Konkurrentinnen drücken Hannah Anderssohn die Daumen. In Kiel trifft Anderssohn im Laser Radial auf 45 Seglerinnen aus vier Nationen. Ganz vorn wird Julia Büsselberg erwartet. Die 19-jährige Berlinerin aus dem deutschen Nachwuchskader räumte bis 2016 in Deutschland im Laser 4.7 alles ab. Im Vorjahr belegte Büsselberg vor Kiel Rang drei, sicherte sich damit das Ticket zu den Youth Worlds und gewann die DJoM. In diesem Jahr gilt es, den DJoM-Titel zu verteidigen und eventuell die YES zu gewinnen. Für die Youth Worlds ist Büsselberg mit 19 Jahren zu alt. Dieselben Eckpunkte gelten auch für Hannah Anderssohn und Laura Schewe, die am 16. Juni ihren 19. Geburtstag feiert. Auch die Kielerin ist aus dem Rennen um das Youth World Ticket, greift aber in der DJoM und in der YES-Wertung an.

Doch für eine YES-Medaille müssen Vorjahressiegerin Lena Haverland (Schwerin) und die Vorjahres-Zweite Pia Kuhlmann (Wunsdorf), die gerade bei der EM in Portugal als beste Deutsche Rang 16 belegte, auf Distanz gehalten werden.

Insgesamt wird in sieben Klassen auf vier Bahnen um YES-Titel gesegelt. Dazu reisen über 600 Aktiven aus insgesamt 16 Nationen an. Zusätzlich wetteifert der deutsche Nachwuchs in den Klassen Laser Rad. M/W und 29er um das deutsche Ticket für die World Sailing Jugend-Weltmeisterschaft in Gdynia (Polen). In den olympischen Klassen Laser Std. M und Laser Rad. W geht es parallel um den Titel der Deutschen Juniorenmeisterschaft.

 

Zeitplan:

Samstag, 8. Juni - erster Start um 13 Uhr;

Sonntag, 9. Juni, und Montag, 10. Juni - erster Start um 11 Uhr;

letztmöglicher Start: Montag um 14 Uhr.

Siegerehrung: Montag, 10. Juni, 16 Uhr (geplant) im Hafenvorfeld, bei schlechtem Wetter in der Chill-Out-Zone.

Ab drei Wettfahrten gibt es einen Streicher. Der Streicher in der Qualifikationswettfahrt kann durch eine schlechtere Wertung in der Finalgruppe ersetzt werden. Für die Meisterschafts-Wertung sind vier Wettfahrten nötig.

U22 heißt: geboren 1988 oder später, U19: geboren 2001 oder später.

 

Bahnen:

Echo: 420er (mit dem BYC-Team)

Hotel: 29er, Nacra 15 (German Open)

India: Laser Radial W (DJoM) , Laser 4.7

Juliett: Laser Std. M (DJoM), Laser Rad. M

 

Nacra 15 European Super Series:

12.-19. April: RYA Youth Nationals in Weymouth (Großbritannien)

30. Mai-2. Juni: Dutch Youth Regatta vor Workum (Niederlande)

8.-10. Juni: Young Europeans Sailing, Kiel

28. Juni-1.Juli: Swiss National Championships, Genf (Schweiz)

16.-23. August: French Championships, Brest (Frankreich)           

7./8 September: Belgium Youth Championships  

19.-25. Oktober: Nacra 15 World Championships, Marseille (Frankreich)

 

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© Pedro Martinez/ World Sailing

06.06.2019 14:38 Alter: 18 days