YES, 1. Tag: Freudentränen bei Hannah Anderssohn und Lenkmann/Hall (BYC) 3.

Der Blick auf die Apps, der Blick in den Himmel, die Messungen am Kiel-Leuchtturm und vor allem die Informationen des Wetterexperten Meeno Schrader (Wetterwelt) beherrschten ansonsten den Pfingstsamstag in Kiel-Schilksee. 648 Aktive und deren 100 Trainer warteten bei den Young Europeans Sailing (8.-10. Juni) auf die Entscheidung, ob gesegelt werden kann; denn Vorhersagen von Böen zwischen 25 und 34 Knoten (6 bis 8 Windstärken) lagen über dem segelbaren Grenzbereich. Die Regattaleitung um die Obersten Wettfahrtleiter Stephan Giesen und Fabian Bach entschied sich am Mittag, die Nacra 15 an Land zu lassen und die übrigen sechs Disziplinen pünktlich um 13 Uhr zu starten. Die Wetter-Vorhersage sagte zunehmenden Wind voraus. „Wir hoffen, vor dem Starkwind am Nachmittag mit den Böen bis zu 7 Beaufort einige Wettfahrten geschafft zu haben. Letztlich sind die Segler/innen hier, um zu segeln, so dass wir alles versuchen, ihnen das zu bieten“, so Bach.

So absolvierten alle Klassen bis auf die Nacra 15 eine Wettfahrt, bevor die zunehmenden Böen ab 15 Uhr keine weiteren Wettfahrten mehr erlaubten. Für Sonntag sind die ersten Starts für 10 Uhr angesetzt. „Die angedrohten Böen kamen, und auch in Ufernähe wurde es einfach zu ungemütlich“, begründet Stephan Giesen die Entscheidung. „Es war die absolut richtige Entscheidung, nach der ersten Wettfahrt abzubrechen“, bestätigte auch Laser-Seglerin Laura Bo Voss (Mühlenberger SC).

Im 420er führen Lucja-Nara Koll/Jesse Scholz (Plön) und Florian Krauss/Jannis Sümmchen (Seeshaupt/Chiemsee), die jeweils in ihrer Gruppe gewannen. Lenkmann/Hall (BYC) sind Drittr und Th. Steinlrin/L. Plettner Siebte.

Im 29er führen nach der 1. Wettfahrt die Dänen Jens-Christian Dehn-Toftehöj/Mads Fuglbjerg vor ihren Landsleuten Malthe Ebdrup/Peter Joos. Die besten Deutschen Jonas Schupp/Moritz Hagenmeyer (Diesen) liegen auf Rang Sechs. Walter/Borlinghaus (MYC) sind Achte und Müller/Ulrich (BYC) starteten nicht.

Auch im Laser Radial der Männer geht die erste Führung zumindest zu 50% nach Dänemark. Christian Winkler teilt sich Rang eins mit Julian Hoffmann (SC Alpsee Immenstadt). Beide gewannen jeweils in ihrer Gruppe.

Im Laser Radial der Frauen gelang Hannah Anderssohn (Warnemünder SC) ein Auftakt nach Maß. Nach 540 Tagen ohne eine Wettfahrt dominierte sie vor Kiel und verwies Lena Haverland und Laura Schewe (beide Kieler Yacht Club) auf die Plätze. Im Ziel ließ die 19-Jährige ihren Tränen freien Lauf. Zu groß war das Glücksgefühl nach einem solchen Comeback.

Im Laser Standard führt nach dem ersten Tag Christoph Möller (Rostock) vor Johan Schubert (Dänemark) und Philip Walkenbach (Potsdam), im Laser 4.7 liegen Oliver Sanders (Rottach) und Bendix Mayer (Konstanz) vorn.

Mit 260 Booten ist die Laser-Flotte (aufgeteilt in Laser Std. M, Laser Rad. W, Laser Rad. M und Laser 4.7) über Pfingsten am stärksten vertreten. Dazu gesellen sich 101 420er-Jollen, 69 29er-Skiffs und 24 Nacra 15. Die Klassen Eurpoe und Pirat wurden mit je elf Meldungen abgesagt.

Im Laser 4.7 gehen 88 Jugendliche aus sechs Nationen an den Start. Der Laser 4.7 ist seit 2006 Regattaklasse in Deutschland. Er verdankt seinen Namen der Segelfläche von 4,7 qm und hat somit eine dem Nachwuchs angepasste Segelgröße. Der 1971 eingeführte Laser 4.7 ist auf junge und leichtgewichtige Seglerinnen und Segler (50 bis 65 kg) ausgerichtet und wird auch als Zwischenstufe zwischen dem Optimisten und dem Laser Standard oder Laser Radial gesegelt. Der kleinste Laser ist seit 2012 auch im Programm der Kieler Woche vertreten.

Das zweitgrößte Feld nach den 420ern stellen die Laser Radial Männer mit 94 Startern aus fünf Nationen. Zu den großen Favoriten zählt ohne Zweifel Julian Hoffmann von SC Alpsee Immenstadt. Der Allgäuer gewann die YES 2017 im 4.7 und im Vorjahr im Laser Radial und damit die Qualifikation für die Youth Worlds in den USA. In diesem Jahr möchte der deutsche Nachwuchssegler des Jahres 2018 seinen YES-Titel verteidigen und sich erneut für die Youth Worlds qualifizieren. Nach Platz neun 2018 vor Corpus Christi ist im Juli eine noch bessere Platzierung in Gdynia (Polen) das Ziel.

Ein neuer Konkurrent ist aus dem Laser 4.7 aufgestiegen: Mewes Wieduwild (16 Jahre). Der Opti-Europameister von 2016 (bei 290 Teilnehmern aus 46 Nationen) wechselte nach zwei Jahren im Laser 4.7 in den Laser Radial. Im Vorjahr gewann Wieduwild (Wind und Welle, Schwedeneck) im Laser 4.7 die YES und segelt damit auf den Spuren von Julian Hoffmann.

Die Konkurrenz aus den eigenen Reihen ist groß. Aus der deutschen Jugend-Nationalmannschaft sind Roko Mohr (Wind und Welle, Schwedeneck), der im Vorjahr Platz zwei in der U17-Wertung der Deutsche Jugendmeisterschaft belegte, und Jesper Bahr (Lübeck, wie Wieduwild Bewohner des Sportinternates Kiel), der im Vorjahr Platz eins in der U16 Wertung der Deutschen Jugendmeisterschaft im Laser 4.7 errang, mit am Start.

Aus Seeshaupt kommt der frischgebackene Bayern-Meister Björn Richardsen. Der 17-Jährige legte Anfang Mai auf dem Starnberger See eine Superserie mit den Plätzen 2, 1, 2, 2 hin. Justin Barth (Berlin) und Philip Walkenbach (Zeuthen) sind in diesem Jahr aus dem Radial in den Laser Standard gewechselt.

Im Laser Radial der Frauen starten 45 Seglerinnen aus vier Nationen. Im Blickpunkt steht Hannah Anderssohn, die nach 540 Tagen Regattapause wieder am Start ist. Daneben wird Julia Büsselberg in den vorderen Rängen erwartet. Die 19-jährige Berlinerin aus dem deutschen Nachwuchskader räumte bis 2016 in Deutschland im Laser 4.7 alles ab. Im Vorjahr belegte Büsselberg vor Kiel Rang drei, sicherte sich damit das Ticket zu den Youth Worlds und gewann die DJoM. Laura Schewe, die am 16. Juni ihren 19. Geburtstag feiert, die YES-Vorjahressiegerin Lena Haverland (Schwerin) und die Vorjahres-Zweite Pia Kuhlmann (Wunsdorf), die gerade bei der EM in Portugal als beste Deutsche Rang 16 belegte, zählen zu den weiteren Favoriten. Deutschlands Nummer Eins, Svenja Weger, hatte erst kurz vor Toresschluss trotz einer Erkältung am Freitag gemeldet. Die Potsdamerin hatte vor Aarhus (Dänemark) den Nationenplatz für die Olympischen Spiele 2020 in Japan für Deutschland gesichert.

Aus der Jugendnationalmannschaft kämpfen Carlotta Sophie Crüsemann (Kiel), Lina Kristin Fischer (Kiel/beide Bewohnerinnen des Sportinternats Kiel), Theresa Wierschin (Warnemünde) und Laura Pukropski (Berlin) um das Ticket für die Jugendweltmeisterschaft.

Im Laser Standard (33 Starter aus drei Nationen) sind mit Nico Naujock (Berlin) und Tim Conradi (Duisburg) zwei 18-Jährige aus dem Nachwuchskader im Favoritenkreis für die DJoM. Neu in Kreis der Standardsegler (mit 7,06 qm Segelfläche) sind aus der Jugendnationalmannschaft Justin Barth (Berlin) und Philip Walkenbach (Zeuthen) aus dem Radial dazu gestoßen.

Neu im Laser Standard-Feld ist auch Tom Jungblut (Regatta-Vereinigung Elbe). Der Hamburger wird von seinem Großvater gecoacht. Thomas Jungblut hat sich als Profisegler, North Sails-Chef und Taktiker auf den ganz großen Yachten (z.B.: Wally „Y3K“) einen Namen in der Segelszene verschafft. Von der OK-Jolle mit WM-Titel über die „Outsider“ (Transatlantik) bis zur Wally – Jungblut hat Jollen und Yachten in fast allen Größenordnungen gesegelt. Und der heute 71-Jährige ist immer noch selbst aktiv. Doch über Pfingsten war er Coach und Mentor seines Enkels. Am Freitag holte Thomas Jungblut fehlende Bändsel für den Laser und am Samstag ging es dann mit dem Coachboot auf die Bahn India.

Die Chill-Out-Zone in der Vaasahalle hat sich in den letzten Jahren als fester Treffpunkt unter den Seglern etabliert. Zu Musik, den Bildern des Tages und mit kostenfreiem WLAN lässt sich der Abend entspannt ausklingen. Das Kickerturnier, ausgerichtet von der Seglerjugend des Deutschen Segler-Verbandes, stieß im vergangenen Jahr auf so großen Zuspruch, dass es in diesem Jahr am Sonntag eine Neuauflage geben wird.
 

 

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08.06.2019 18:33 Alter: 16 days