Turbulenzen im 470er-Terminkalender

 

Die EM der 470er wird nicht gesegelt, sie wird gesegelt … der WM-Titel wird ausgesegelt, oder auch nicht ..

Man kommt sich vor wie beim Abzählreim, wenn man die News der internationalen 470er-Klassenvereinigung liest.

 

Per 4. Juli wurde da bekannt gemacht, dass die EM nicht wie zuletzt geplant Mitte September in Hyères (Südfrankreich) stattfinden wird. Stattdessen soll die WM vom 2. bis 10. Oktober in Arenal (Mallorca) auch als EM gewertet werden. Wenn aber keine ausreichenden Reisefreiheiten gewährleistet sind, sollen die Titel nicht vergeben werden (engl. Originaltext: „.. the right to withdraw the World Championship titles if there are global travel restrictions unduly affecting fairness and the ability of competitors to attend.“

Ähnlich sieht es bei den Junioren-Events aus: Junioren-EM und Junioren-WM sollen vom 22. bis 29. August in Gdynia (Polen) gesegelt werden.

Entschieden werden soll noch einmal am 1. August (bzw. am 15.7. bei den Junioren), wie nun verfahren wird.

 

Soweit die offiziellen Infos. Was heißt das nun?

Bisher ging man davon aus, dass eher die EM als die WM stattfinden könnte. Denn die Reisefreiheit in Europa war Anfang Juli schon weitgehend wieder hergestellt. Alle relevanten Teilnehmer einer Europameisterschaft hätten also anreisen können. Inzwischen haben erste Länder erneut Einreisebeschränkungen eingeführt. Auch am neuen EM-Ort, in Mallorca, werden gerade die Corona-Bestimmungen wieder verschärft (Maskenpflicht generell in der Öffentlichkeit).

Dass für eine WM die Teilnehmer aus aller Welt hätten anreisen können, glauben vielleicht die Anti-Masken-Demonstranten. Natürlich ist es schwierig, jetzt schon für den Oktober Prognosen zu wagen. Zu einer WM im nunmehr „vorolympischen“ Jahr reist man aber nicht zwei Tage vorher an, sondern Wochen. Wer also wettet darauf, dass bis zum angepeilten Stichtag am 1. August absehbar wäre, dass etwa Amerikaner oder Brasilianer im September nach Europa kommen dürfen - ohne Quarantäne, ohne Corona-Test? Die aktuellen Entwicklungen in so manchen Ländern sprechen dagegen.

 

Bleibt die Frage des „Continental Qualifiers“. Ein europäischer Startplatz für Olympia in Tokio 2020-21 ist noch zu vergeben. Nicht zu vergessen: Die Spiele hätten in wenigen Tagen beginnen sollen, jetzt ist nicht einmal die Qualifikation abgeschlossen. Es sieht ganz so aus, als ob dieses letzte europäische Ticket – um das GER, SUI, AUT, TUR oder ISR u.a.m. wetteifern – erst bei der EM 2021 vergeben werden könnte … und die ist gerade für den 5. bis 13. März 2021 in Vilamoura in Portugal fixiert worden. Eigentlich hätte die 470er-EM 2021 ja im Rahmen der Kieler Woche stattfinden sollen (und im September 2020 sind die 470er nicht dabei, weil sie ja ihre EM in Frankreich neu terminiert hatten …)

Der Plan des DSV, die 470er-Ausscheidung noch 2020 abzuschließen, wackelt daher mehr als der Wackel-Opti auf den Messen der Vergangenheit. Drei Events im Frühjahr waren vorgesehen, alle sind geplatzt. EM und WM werden nun - siehe oben - möglicherweise zusammen - oder gar nicht stattfinden. Die Fahrkarte nach Tokyo für die Männer (die GER-Damen haben das Ticket schon, nur wer fahren darf, ist noch völlig offen) wird offensichtlich erst im März 2021 zu erringen sein …

Dabei hatte der DSV die Fördermittel für eine Olympia-MANNschaft nur bis August eingeplant, wollte danach gleich auf die Mixed-Teams der 470er für Paris 2024 umstellen. Nun ist für weitere neun Monate noch nicht einmal klar, ob ein deutsches Herren-Team bei Olympia starten darf, bei den Damen zumindest nicht, welches Team nach Japan geschickt wird.

 

Es gibt angenehmere Aufgaben als diese.

Bleibt gesund, haltet Abstand und seid vorsichtig.

vg 

 

 

Der Original-News der int. 470er-KV ist hier

 

 

 

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11.07.2020 11:33 Alter: 35 days