boot 2021 hält Kurs auf stürmische Gewässer

Die weltgrößte Wassersportmesse, die boot 2021 in Düsseldorf, hält Kurs in unsicheren Gewässern. Wie bei einer online-Präsentation am 4. November 2020 seitens der Messeleitung erklärt wurde, halte man am Termin 23. bis 31. Januar 2021 fest.

Auch Branchen-Vertreter betonten die Wichtigkeit der Messe als Motor der Wassersport-Branche. Eine Yacht müsse man real erleben, ehe man sie kaufe … doch gerade die Vertreter von Unternehmen im Superyacht-Bereich sind stolz darauf, 2020 erste Abschlüsse alleine auf Basis virtueller Präsentationen getätigt zu haben.
Boot-Direktor Petros Michelidakis bemühte sich, Zuversicht zu verbreiten. Er verglich die Vorbereitungen auf die boot 2021 mit einem Segeltörn. Drei Dinge seien elementar: „Erstens den Kurs abstecken. Zweitens das Boot checken, die Ausrüstung, die Wettervorhersage und die Bedingungen. Drittens die Mannschaft (wie auch Freunde und Familie) informieren, wohin die Reise gehen soll.“  Als erfahrener Segler wisse man, dass Wind und Wetter manchmal unvorhersehbar sei. „Aber wir erreichen unser Ziel auch unter schwierigen Bedingungen!“ So gehe es auch der boot Düsseldorf. Sie manövriere in schwierigen Gewässern, erwarte geradezu einen Sturm. Ziel und Kurs seien sinngemäß abgesteckt, die Messe auf die aktuelle Situation vorbereitet. Noch geht man in Düsseldorf vom geplanten Termin aus, hat die volle Unterstützung auch der Stadt. Man wolle sicherstellen, dass man sich Ende Januar „happily“ treffen könne. Ende November werde die Situation erneut bewertet. „Alle weiteren Aktionen werden in der ersten Dezemberwoche angekündigt“, sagte Michelidakis. „Seid bitte geduldig“, bat er. Denn zu diesem Zeitpunkt müssen die großen Yachten aus dem Mittelmeer auf den Weg nach Düsseldorf geschickt werden.

Das zurückliegende Jahr hielt für die Wassersport-Branche extreme Höhen und Tiefen bereit - jedoch mit ungleicher Verteilung, wie in der zweieinhalbstündigen Präsentation berichtet wurde. Schon von dem internationalen Lockdown im Frühjahr waren nicht alle gleich betroffen: Italienische Werften mussten z.T. völlig schließen, holten dann aber mit 24-Stunden-Schichten wieder auf. Bavaria Yachtbau hingegen roch den Braten, füllte die Lager mit Zulieferteilen rechtzeitig auf, konnte so weiter arbeiten und bis zum Sommer alle Aufträge pünktlich liefern. Es folgten Wochen ohne einen einzigen Order-Eingang - ehe im Juli die Zahlen förmlich explodierten. Inzwischen sind die Bücher vieler Werften schon bis weit ins Jahr 2021 gefüllt. Auch der Gebrauchtboot-Markt sei im Sommer schnell leergefegt gewesen. Eine Yacht werde als „private Insel“ betrachtet, die man mitnehmen könne und ggf. auch eigene Regeln aufstellen könne. Je größer - umso einfacher. Und so brummt der Superyacht-Bereich wie ein anrollender Orkan. Entsprechend stolz ist die Messeleitung, dass die Hallen in diesem Segment bereits ausgebucht sind - und in der Halle daneben werden Tender für die großen Spielzeuge ausgestellt, die soviel kosten wie eine Yacht sonst in handlicher Größe. Die Azimut-Benetti-Group bedauert gar, dass für das neue 40-Meter-Modell Düsseldorf schlicht zu klein ist.
Von solchem Boom können die Taucher indes nicht einmal träumen. Ihre Traum-Destination sind weitgehend unerreichbar, auch wenn das Pandemie-Risiko schon ein paar Zentimeter unter Wasser verschwindend gering werde … Tauchgänge im Inland sind gefragt - und da brauche man eben eine etwas dickere Haut. Die Messe indes freut sich auf einen neuen Tauchturm in der Halle 12.
Schwer gebeutelt wurde 2020 auch die Charter-Branche. Lediglich im Inland waren die Boote gut bis sehr gut gebucht. Kroatien ging gerade im Sommer noch, Mallorca wurde durch die Einstufung als Risikogebiet schon im August wieder abgewürgt. Hier bleibt nur die Hoffnung, dass „Urlaub dahoam“ irgendwann wieder von Sehnsucht nach der weiten Welt abgelöst wird.
    
Nicht gekleckert, sonder geklotzt wird beim Hygiene-Konzept der Messe Düsseldorf. One-way-Bereiche, Bodenaufkleber für den richtigen Abstand, Scheiben für Gesprächstische … und 600 zusätzliche Leute Service-Personal - genannt „PROTaction Guides“ - für Desinfektionsaufgaben, Hygiene-Unterweisungen und Kontrolle sind vorgesehen. Ein interessanter Punkt wurde bei der Präsentation nicht angesprochen: Traditionell ist die boot im Januar ein Hort der Erkältungen. Schniefende Nasen bei Ausstellern wie Besuchern waren an der Tagesordnung, ebenso der „Erkältungs-Gruß“ ohne Hand-shakes. All diese haben aufgrund von Erkältungssymptomen keinen Zutritt. Ein relaxter Gang durch gesundheitsstrotzende, sterilisierte Hallen wartet auf die Besucher …
vg

www.boot.de

05.11.2020 13:15 Alter: 22 days