Vendée Globe: Der Pazifik ruft

Den großen Sturm im Indischen Ozean haben haben die meisten Boote und Teilnehmern der Vendée Globe gut überstanden. Ermüdungserscheinungen machen sich jedoch bei Boot wie Mensch bemerkbar. Die Führung hat Charlie Dalin mit der APIVIA am Dienstag verloren, nachdem er sich mit einem Schaden am linken Foil befassen musste. Vorne liegen nun Thomas Ruyant (LinkedOut)  und Yannick Bestaven (Maite Coq IV, 9 sm achteraus) mit etwa 120 Seemeilen Vorsprung. Boris Herrmann (Seaexplorer) segelt mit gut 440 sm Rückstand an siebter Stelle.

Dem großen Sturm folgte schon fast eine Flaute, die Verfolger rückten zunächst auf. Dalin wurde zusehends langsamer, gab die Schuld aber nur dem geringen Speed bei wenig Wind. Am Montag hingegen zeigten starke Geräusche am Backbord-Foil an, dass da etwas nicht stimmt - und bei SW-Wind war er eben mit Stb-Bug unterwegs, der Tragflügel backbords sollte für den Speed sorgen. Er musst halsen und konnte sich mit dem nicht näher beschriebenen Schaden befassen, seit Dienstagnachmittag ist er wieder unterwegs - hat aber die zuletzt schon auf 60 sm geschrumpfte Führung an Ruyant und Bestaven verloren.
Das Führungstrio hat indes wieder schönen Wind: 18-23 kn aus WNW - und zischt davon. Ein Pulk mit fünf Booten hat nicht mehr als 15 sm Abstand zueinander (nun rund 400 sm auf den Führenden), sieht sich also regelmäßig. So ganz allein ist man dann doch nicht da unten kurz vor der Eiszone um die Antarktis. Bei nur 7 bis 10 kn Wind dümpelten sie allerdings eher dahin, während eben die drei an der Spitze Strecke gut machten.
Für den Mittwochabend oder Donnerstag wird erwartet, dass die ersten Boote südlich von Tasmanien in den Pazifik segeln - den dritten Ozean auf dieser Tour. Mit 36 Tagen haben sie auch schon in etwa Halbzeit.
Boris Herrmann war froh, den Monster-Sturm gut überstanden zu haben. Probleme bereitete ihm vor allem die unregelmäßigen Winde, die schnell mal um zwei Beaufort zulegten. Da tut sich dann auch die Selbststeueranlage schwer - und offenbar führte das wohl nicht nur einmal zu einem Sonnenschuss, wie er in Podcasts auf seiner Homepage erzählt.
Isabelle Joschke (MACSF), die derzeit schnellste Frau im Feld auf Rang neun), erzählte heute: „Mental geht’s mir wirklich gut. Ich fahre mehr und mehr mein eigenes Rennen, fühle mich immer besser. Technisch waren die vergangenen drei Tage kompliziert: Ich hatte einige Probleme mit meinen Fockrollern für den Gennaker. Ich musste da ziemlich akrobatisch herumturnen, um die Segel zu setzen oder zu bergen. Physisch werde ich schnell müde nach schwierigen Manövern. Und mir wird schnell kalt. Vor allem aber brauche ich Schlaf! … Ich bräuchte mehr Zeit für mich, um mich zu regenerieren - aber das ist unmöglich. Entweder habe ich einen Kaskade von Problemen - oder der Wind wird weniger und ich streiche mich selbst wieder von der To-do-Liste.“ Auch ihr Hydrogenerator ist defekt - und so muss auch sie Strom sparen, nichts ist es mit Musik hören oder Videos anschauen, wenn einmal alles funktioniert und das Schiff fährt.   
vg

 

 

Das vollständige Zwischenergebnis ist hier

Event-Homepage mit Fotos, Videos, Tracker, Virtual Regatta, usw.: https://www.vendeeglobe.org

 

 

Tracker am 15.12f © Screenshot-VG 2020

16.12.2020 11:43 Alter: 31 days