Vendée Globe: Enges Rennen an der Spitze in der sechsten Woche (also vor Weihnachten)

 

Das Spitzen-Trio beim Vendée Globe hat vor Weihnachten nach Seemeilen gerechnet die Hälfte des Rennens in dieser Woche hinter sich gebracht. Nach 41 Tagen hat der seit ein paar Tagen in Führung liegende Yannick Bestaven (Maitre Coq IV) über 15.000 Seemeilen geschafft. Rund 11.000 sm liegen auf dem kürzesten Kurs ins Ziel noch vor ihm.

Bestaven hat am Sonntagvormittag 115 sm Vorsprung auf Charlie Dalin (APIVIA) und 166 sm auf Thomas Ruyant (LinkedOut). Ruyant hatte mit einem Wassereinbruch für eine Schrecksekunde gesorgt. Doch nachdem Tonnen von Wasser wieder aus dem Vorschiff ausgepumpt waren, stellte er fest, dass dies nachts in rauer See durch eine nicht fest verschlossene Luke eingedrungen war. Fenster zu und weiter…

Boris Herrmann (Seaexplorer) hat sich mit einer vergleichsweise konservativen Strategie auf Rang vier nach vorne gesegelt. Er hat 373 sm Abstand auf Bestaven. Am Freitag peppte Herrmann den Schulunterricht auf: Er plauderte mit französischen Schülern. Seinen Teddy platzierte er derweil als „Co-Skipper“ im Hintergrund: Der passte auf Maus und Tastatur auf.

Weitere 50 sm zurück liegt Jean le Cam (Yes We Cam!). Der Pulk der Verfolger ist nun über eine Strecke von 120 sm verstreut und segelt nicht mehr mit Sichtkontakt zueinander.

Isabelle Joschke (MACSF), aktuell auf Rang acht, segelt ganz an der südlichsten Grenze zur Eisbergzone. Die Rennleitung hat die Linie (ungefähr am 55. Breitengrad) definiert, die aus Sicherheitsgründen nicht überfahren werden darf. Denn weiter im Süden wäre der Kurs natürlich kürzer.

Auch wenn gerade Hochsommer auf der Südhalbkugel ist: Zwischen Neuseeland und der Antarktis hat das Wasser nur sieben Grad, die Luft auch tagsüber nicht viel mehr. Ganz vorne wird der Wind allerdings derzeit immer schwächer, geht bis auf unter fünf Knoten runter. Die Verfolger werden also aufrücken. Noch herrscht dort westlicher Wind mit 18 bis 20 Knoten.

Am Ende des Feldes wird hart gekämpft: Jeremie Beyou (Charal), der aufgrund eines Schadens ja zwei Tage nach dem Start noch einmal umgedreht hatte und nach einer Reparatur mit neun Tagen Verspätung erneut startete, liegt auf Rang 21 und hat somit sechs noch mitsegelnde Konkurrenten schon hinter sich. Ganz am Tampen des Feldes fährt Samantha Davies (Initiatives Coeur), die für eine Reparatur Kapstadt ansteuern musste und somit nur noch außer Konkurrenz weiter segelt.

 

Redress given (RDG) für die Rettungsaktion

Auch die Wiedergutmachungen für die Rettungsaktion von Kevin Escoffier, dessen Yacht südlich von Afrika wie zusammengefaltet untergegangen ist, wurde in den vergangenen Tagen entschieden:

Jean le Cam (Yes We Cam!), der Escoffier letztlich aus der Rettungsinsel gefischt hat, bekommt eine Zeitgutschrift von 16 Stunden und 15 Minuten. Le Cam war auch am längsten damit beschäftigt, den Schiffbrüchigen zu suchen und aufzufischen.

Yannick Bestaven (Maitre Coq IV) bekommt eine Gutschrift von 10 Stunden 15 Minuten.

Boris Herrmann (Seaexplorer) war als drittes Boot an der Suche beteiligt und erhält eine Gutschrift von 6 Stunden.

Abgerechnet wird dies beim Zieldurchgang. im Vergleich zum Vendée Globe vor vier Jahren sind die Segler bereits einige Tage hintendran, Armel le Cleac’h war 2016 schon sechs Tage früher an Neuseeland vorbei.

vg

 

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BHerrmann hält Unterricht © Screenshot

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26.12.2020 12:57 Alter: 21 days