Vendée Globe: Verdammt kalt nach 50 Tagen

Die Flautenzone am Südpolarmeer ist überstanden. Nach Tagen mit weniger als zehn Knoten Wind ist das Gros des Feldes wieder in ein Tiefdruckgebiet gekommen, das mit 20 bis 30 Knoten
Wind für schnelle Fahrt nach Osten sorgt. Als Erster hat Yannick Bestaven (Maitre Coq IV) das Flautengebiet verlassen und am Dienstagvormittag 160 Seemeilen Vorsprung auf Charlie Dalin (APIVIA) herausgeholt.

Kalt war es schon in den vergangenen Tagen trotz Mittsommernacht auf der Tiefe des 55 Breitengrad Süd. Doch ohne Wind - und vor dem Wind spürt man den ja noch weniger - war es noch auszuhalten. Doch sechs Grad Lufttemperatur und 25 Knoten Wind, dazu die Gischt des kalten Wassers - das hält „man“ vielleicht eine Stunde aus und geht dann ins Clubhaus zum Tee. Doch beim Vendée Globe hat man diese Bedingungen rund um die Uhr. Alleine. Und das mit oder ohne Wind im Regattamodus. Als Heizung dient ein kleiner Lüfter, der durch einen Zehn-Zentimeter-Schlauch warme Luft verbläst. Und so mancher steckst sich diesen Schlauch erst einmal unter den Anorka, wenn er/sie aus dem Cockpit wieder unter Deck kommt.
Im Vergleich zu früheren Rennen sind die Recken (und Reckinnen) jedoch praktisch pausenlos in Kontakt mit der Welt, dem Team oder der Familie zuhause. So viele Video-Sequenzen von einer Langstreckenregatta gab es wohl noch nie. Sogar Drohnen lassen sie aufsteigen, wenn es in der Flaute zu langweilig zu werden droht.
Das Problem an dem Hochdruckgebiet war, dass es tagelang in etwa genauso schnell nach Osten wanderte, wie der Regattazirkus unterwegs war. Nach Süden ausweichen ging nicht, da dort die Regattaleitung die Grenzlinie zur Eiszone gezogen hat, nach Norden versperrte zeitweise das Zentrum des Hochs den Weg.
Seit 50 Tagen sind die ursprünglich 33 Boote unterwegs. Heute hat auch Pip Hare (Medallia) den „Antimeridian“ überquert, den 180. Längengrad. Lange brauchte sie, um den 179. Längengrad Ost hinter sich zu bringen - und ist jetzt wohl nicht ganz so lange im 179. Längengrad West unterwegs. Sie liegt an 17. Stelle und genau 2.000 sm hinter dem führenden Boot.

An der Spitze segelt hinter den beiden Führenden nun Thomas Ruyant (LinkedOut), in Sichtweite von Damien Seguin (Groupe Apicil). An fünfter Stelle liegt Jean le Cam (Yes We Cam!) mit 260 sm Rückstand
Isabelle Joschke (MACSF), aktuell auf Rang sieben (+309 sm), war nach Tagen des Dahindümpelns von dem auffrischenden Wind überrascht. „Es hat mich hin und her geworfen im Schiff, ich wurde sogar seekrank“, berichtete die Deutschfranzösin.
Fünf Seemeilen hinter Joschke segelt Boris Herrmann (Seaexplorer), der sich scheut, zu viel Risiko einzugehen, Sicher ankommen ist seine Devise - es liegen noch 9.000 sm vor ihm.
Elf Boote sind an der Spitze gerade einmal 500 Seemeilen ausienander - und so sieht man sich immer wieder einmal. Boris Herrmann hatte kürzlich vier Konkurrenten um sich herum in Sichtweite

Bestaven hat noch etwa vier Tage bis zum Kap Hoorn, dann ist er wieder im Atlantik. Vor diesem Kap haben alle einen großen Respekt. Zwar geht es meist mit Westwind von hinten geschwind dran vorbei, doch der Bereich zwischen der Eis-Verbotszone und den Felsen von Südamerika ist kein so großer Seeraum. Längere Schlafensperioden sind da unangebracht - und so koppelt jeder schon Tage vorher voraus, wann und zu welcher Tageszeit er denn am Kap der Kaps ankommen wird. Heute fächeln übrigens gerade einmal neun Knoten Nordwind das berüchtigte Meer vor Kap Hoorn.
vg

Vendée Globe: Verdammt kalt nach 50 Tagen

Die Flautenzone am Südpolarmeer ist überstanden. Nach Tagen mit weniger als zehn Knoten Wind ist das Gros des Feldes wieder in ein Tiefdruckgebiet gekommen, das mit 20 bis 30 Knoten
Wind für schnelle Fahrt nach Osten sorgt. Als Erster hat Yannick Bestaven (Maitre Coq IV) das Flautengebiet verlassen und am Dienstagvormittag 160 Seemeilen Vorsprung auf Charlie Dalin (APIVIA) herausgeholt.

Kalt war es schon in den vergangenen Tagen trotz Mittsommernacht auf der Tiefe des 55 Breitengrad Süd. Doch ohne Wind - und vor dem Wind spürt man den ja noch weniger - war es noch auszuhalten. Doch sechs Grad Lufttemperatur und 25 Knoten Wind, dazu die Gischt des kalten Wassers - das hält „man“ vielleicht eine Stunde aus und geht dann ins Clubhaus zum Tee. Doch beim Vendée Globe hat man diese Bedingungen rund um die Uhr. Alleine. Und das mit oder ohne Wind im Regattamodus. Als Heizung dient ein kleiner Lüfter, der durch einen Zehn-Zentimeter-Schlauch warme Luft verbläst. Und so mancher steckst sich diesen Schlauch erst einmal unter den Anorka, wenn er/sie aus dem Cockpit wieder unter Deck kommt.
Im Vergleich zu früheren Rennen sind die Recken (und Reckinnen) jedoch praktisch pausenlos in Kontakt mit der Welt, dem Team oder der Familie zuhause. So viele Video-Sequenzen von einer Langstreckenregatta gab es wohl noch nie. Sogar Drohnen lassen sie aufsteigen, wenn es in der Flaute zu langweilig zu werden droht.
Das Problem an dem Hochdruckgebiet war, dass es tagelang in etwa genauso schnell nach Osten wanderte, wie der Regattazirkus unterwegs war. Nach Süden ausweichen ging nicht, da dort die Regattaleitung die Grenzlinie zur Eiszone gezogen hat, nach Norden versperrte zeitweise das Zentrum des Hochs den Weg.
Seit 50 Tagen sind die ursprünglich 33 Boote unterwegs. Heute hat auch Pip Hare (Medallia) den „Antimeridian“ überquert, den 180. Längengrad. Lange brauchte sie, um den 179. Längengrad Ost hinter sich zu bringen - und ist jetzt wohl nicht ganz so lange im 179. Längengrad West unterwegs. Sie liegt an 17. Stelle und genau 2.000 sm hinter dem führenden Boot.

An der Spitze segelt hinter den beiden Führenden nun Thomas Ruyant (LinkedOut), in Sichtweite von Damien Seguin (Groupe Apicil). An fünfter Stelle liegt Jean le Cam (Yes We Cam!) mit 260 sm Rückstand
Isabelle Joschke (MACSF), aktuell auf Rang sieben (+309 sm), war nach Tagen des Dahindümpelns von dem auffrischenden Wind überrascht. „Es hat mich hin und her geworfen im Schiff, ich wurde sogar seekrank“, berichtete die Deutschfranzösin.
Fünf Seemeilen hinter Joschke segelt Boris Herrmann (Seaexplorer), der sich scheut, zu viel Risiko einzugehen, Sicher ankommen ist seine Devise - es liegen noch 9.000 sm vor ihm.
Elf Boote sind an der Spitze gerade einmal 500 Seemeilen ausienander - und so sieht man sich immer wieder einmal. Boris Herrmann hatte kürzlich vier Konkurrenten um sich herum in Sichtweite

Bestaven hat noch etwa vier Tage bis zum Kap Hoorn, dann ist er wieder im Atlantik. Vor diesem Kap haben alle einen großen Respekt. Zwar geht es meist mit Westwind von hinten geschwind dran vorbei, doch der Bereich zwischen der Eis-Verbotszone und den Felsen von Südamerika ist kein so großer Seeraum. Längere Schlafensperioden sind da unangebracht - und so koppelt jeder schon Tage vorher voraus, wann und zu welcher Tageszeit er denn am Kap der Kaps ankommen wird. Heute fächeln übrigens gerade einmal neun Knoten Nordwind das berüchtigte Meer vor Kap Hoorn.
vg


Blick auf den Südpol © Screenshot-VG

Postionen an Tag 50 © Screenshot-VG

"Groupe Apicil" in Sichtweite von "Seaxplorer" © Screenshot-VG-B. Herrmann

29.12.2020 16:16 Alter: 18 days